Im Mantrailing gibt es viele Trainingsansätze: lange Leine oder kurze, mit Anreiz oder ohne, ruhige Gebiete oder frühe Verleitungen. Gerade für Anfänger ist es schwer, den Überblick zu behalten. Man sucht sich einen Trainer, vertraut ihm – und das ist auch sinnvoll.Trotzdem gibst du damit nicht deine Verantwortung für deinen Hund ab.
Du darfst verstehen wollen, warum etwas gemacht wird, und beobachten, ob es bei deinem Hund wirkt. Diese Verantwortung bleibt – auch mit viel Erfahrung. Denn Erfahrung hilft zwar, kann aber auch zu Starrheit führen: Aus „funktioniert oft“ wird schnell „machen wir immer so“.
Hier werden drei Fähigkeiten besonders wichtig:
Sie greifen ineinander: Unsicherheit aushalten, Beobachtungen prüfen und daraus passende Entscheidungen ableiten...
Ambiguitätstoleranz bedeutet, mehrere mögliche Erklärungen nebeneinander stehen lassen zu können, ohne vorschnell zu urteilen. Im Mantrailing heißt das: Ich akzeptiere, dass Verhalten nicht immer eindeutig ist und unterschiedliche Ansätze sinnvoll sein können.
Das ist keine Beliebigkeit, sondern schafft Raum zwischen Beobachtung und Bewertung.
Eine Methode kann sinnvoll sein – und trotzdem gerade nicht passen
Ich arbeite gern mit langer Leine. Sie gibt dem Hund Raum. Manche Hunde kommen damit aber zunächst nicht zurecht und profitieren von weniger Länge.
Die lange Leine ist dadurch nicht falsch – nur vielleicht gerade nicht passend.
Ähnlich beim Anreiz: Für manche Hunde hilfreich, für andere schnell zu viel. Oder beim Trainingsgebiet: Der eine braucht Ruhe, der andere profitiert früh von Ablenkung.
Beides kann richtig sein – je nach Hund und Situation.
Ambiguitätstoleranz im Umgang mit anderen
Auch im Austausch mit anderen zeigt sich diese Fähigkeit. Statt sofort zu bewerten, kann ich fragen: Warum arbeitet jemand so?
In der Szene gibt es oft starkes Schwarz-Weiß-Denken. Dabei sind klare Grenzen wichtig – aber vorschnelle Urteile selten hilfreich.
Fragen an dich

Kritisches Denken bedeutet, Beobachtungen, Annahmen und Schlussfolgerungen zu hinterfragen. Konstruktiv wird es, wenn dieses Prüfen zu besseren Entscheidungen führt.
Es geht nicht darum, Fehler zu suchen, sondern die Qualität des eigenen Denkens zu verbessern.
„Der Hund wird langsamer“ ist Beobachtung.
„Der Hund ist unsicher“ ist Interpretation.
Diese kann stimmen – muss aber nicht. Vielleicht liegt es an Geruch, Untergrund oder Umwelt.
Wichtig ist, sich bewusst zu machen, wann man interpretiert – und ob diese Deutung wirklich passt.
Erfahrung ersetzt keine Prüfung
Erfahrung hilft, kann aber auch dazu führen, dass wir nicht mehr hinterfragen. Aus „hat oft funktioniert“ wird „machen wir immer so“.
Konstruktiv-kritisches Denken hält uns offen: Habe ich wirklich geprüft – oder bestätige ich nur meine Annahmen?
Verantwortung bleibt bei dir
Auch als Anfänger darfst du verstehen wollen:
Ein guter Trainer erklärt Zusammenhänge – und fördert eigenständiges Denken.
Fragen an dich
Kognitive Flexibilität bedeutet, Denken und Handeln an neue Informationen anzupassen. Im Training heißt das: Ich habe einen Plan – bin aber bereit, ihn zu ändern.
Das ist oft unbequem.
Manchmal merken wir, dass etwas nicht funktioniert, halten aber daran fest – aus Gewohnheit oder weil Veränderung sich wie ein Fehler anfühlt.
Dabei zeigt sich Stärke auch darin, den Kurs zu ändern.
Erkennen reicht nicht
Zu sehen, dass etwas nicht passt, ist der erste Schritt. Entscheidend ist, daraus Konsequenzen zu ziehen:
Sonst bleibt alles beim Alten.
Flexibilität ist keine Planlosigkeit
Es geht nicht darum, ständig alles zu ändern. Hunde brauchen Struktur und Wiederholung.
Die Kunst liegt in der Balance: Wann bleibe ich dran – und wann ändere ich etwas?
Ein angepasster Plan bedeutet nicht, dass der vorherige falsch war. Vielleicht haben sich einfach die Bedingungen geändert.
Fragen an dich
Ambiguitätstoleranz, kritisches Denken und kognitive Flexibilität gehören zusammen:
Fehlt eine davon, entsteht schnell ein Ungleichgewicht:
Die Kombination macht den Unterschied.

Vier Fragen reichen oft:
Diese Fragen liefern nicht immer sofort klare Antworten – und genau das ist wertvoll.
Denn gutes Training bedeutet aufmerksam zu bleiben, ehrlich hinzusehen und Entscheidungen immer wieder zu überprüfen.
Eine klare Haltung ist wichtig – aber sie darf nicht so starr werden, dass der Hund keinen Platz mehr darin hat.
Am Ende muss nicht der Hund zur Methode passen.
Sondern die Methode zum Hund.
Mehr dazu und vor allem interessante Sichtweisen findest du übrigens in der Aufzeichnung meines Webinars "Neues Denken im Mantrailing" - schau mal im Webshop vorbei.